Wer den Schaden hat …

Kfz-Sachverständige schlagen Alarm: zunehmend versuchen Kfz-Haftpflichtversicherer auf Kosten der Geschädigten zu sparen.

Andreas Jahn bringt seinen Audi gerade noch vor der roten Ampel zum Stehen, da kracht es. Der Lkw-Fahrer hinter ihm knallt fast ungebremst auf den Kofferraum des sechs Jahre alten Audi A4. Das Missgeschick im Sommer 2006 ist genau genommen eine Lappalie, die Schuldfrage stellt sich gar nicht erst: Karst wird den schaden an seinem Wagen in voller Höhe ersetzt bekommen, für die Dauer des Werkstattaufenthalts gibt es einen Mietwagen. Der 43-Jährige lässt seinen Wagen in die Werkstatt schleppen und beauftragt einen Sachverständigen, sich den Schaden anzusehen. Ergebnis: 6000 Euro Reparaturkosten.

Im deutschen Recht ist der Schadenersatz eindeutig geregelt. Der Geschädigte soll am Ende so gestellt sein, als ob das schadenverursachende Ereignis nie passiert wäre, lautet sinngemäß BGB §249 Abs.1.

Im fall von Andreas Jahn läuft die Sache allerdings anders als gedacht. Als er sich entschließt, den beschädigten Wagen zu verkaufen und den Erlös zusammen mit der Entschädigungssumme lieber für einen Neukauf zu verwenden, kontert die Versicherung mit einem Scheck über 4.000 Euro, den Jahn nun bekommen soll. Die Versicherung hat den vom Gutachter ermittelten Restwert seines Wagens von 5.000 Euro einfach um 2.000 Euro nach oben korrigiert. Erst als Jahn einen Anwalt einschaltet, lenkt die Versicherung ein und zahlt die vom Gutachter ermittelte Schadensumme.

Tricksereien dieser Art sind in weiten Teilen der Versicherungsbranche mittlerweile Routine. Im Mittelpunkt stehen Firmen wie DEKRA, Controlexpert oder Check it, die im Auftrag der Versicherungen die Gutachten der Unfallopfer überprüfen. Als Grundlage dazu dienen ihnen Durchschnittspreise für Werkstätten, die aber mit den tatsächlichen Einzelfällen oft wenig zu tun haben. Häufig moniert werden zu hohe Transportkosten zwischen Karosseriebetrieben und Lackiererein, zu hohe Sätze für Richtwerkzeuge bei der Karosserie-Reparatur, aber auch Ersatzteilkosten und die Stundensätze der Werkstätten, wie Elmar Fuchs vom Verband der unabhängigen Sachverständigen für das Kraftfahrzeugwesen erläutert. So soll sich der Geschädigte dann mit dem Gegenwert einer Billig-Reparatur zufriedengeben, obwohl er laut BGH-Rechtsprechung das Recht auf eine Reparatur in einer Markenwerkstatt hätte.

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Autor: admin
Datum: Dienstag, 15. April 2008 18:04
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